Lesespaß

Petri Heil, Herr Pastor

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Petri Heil, Herr Pastor

Im Buch sind folgende Geschichten enthalten:

 

1. Der Pastor von Düwelsdorf

2. Die Sorgen der Petrijünger

3. Guter Rat ist nicht teuer

4. Freunde in der Not

5. Berufliche Neugier

6. Irrlichter

7. Der Letzte

8. Geister, Grog und Ungeheuerr

9. Reine Privatsache

10. Die Taufe

11. Auf Erkundungstour

12. Aalfieber

13. Höllenqualen

14. Notlügen sind erlaubt

15. Mit einem Bein im Grab

16. Des Pastors Mysterium

17. Gefangen

18. Der letzte Auftrag

19. Licht im Dunkel

20. Das Vermächtnis der Mönche

21. Epilog

         

21 Kapitel um Pastor Jan Hinrich Klaaspedder und seine verrückte Anglergemeinde.


Rezensionen

Rezension 1 -
Claus Beese: Petri Heil, Herr Pastor, Goldebek 2010, Mohland Verlag D. Peters Nachf., ISBN 978-3-86675-123-1, Softcover, 130 Seiten, mit s/w-Illustrationen von Cornelia Ott, Format: 14,5 x 20,5 x 0,5 cm, EUR 8,50
Rezension Edith Nebel auf Büchereule.de,Rezension Edith Nebel mit freundlicher Genehmigung der Rezensentin.

Pastor Jan Heinrich Klaaspedder aus Düwelsdorf hat ein Problem: Er hat ein Auge auf die hübsche Katrin Petersen geworfen, aber ausgerechnet deren Vater lässt sich seit 20 Jahren nicht mehr in der Kirche sehen. Lieber geht er sonntags angeln. Dafür hat er zwar nachvollziehbare Gründe, doch als möglicher Schwiegervater eines Geistlichen ist er mit dieser Einstellung ein Totalausfall. In einem Moment der Frustration lässt sich Pastor Klaaspedder zu einer flammenden Predigt gegen das Angeln hinreißen. Den Frauen der Gemeinde, die ebenfalls der Meinung sind, dass ihre Göttergatten ihre Zeit sinnvoller verbringen könnten als mit Herumsitzen und Fischefangen, gefällt das natürlich. Die Mitglieder des örtlichen Angelvereins dagegen sind entsetzt, alldieweil ihre besseren Hälften sogleich mit Hinweis auf die Predigt die Angelausrüstung ihrer Ehemänner konfiszieren und wegsperren.

Auch bei Katrin Petersen hat es sich der Pastor mit seiner spontanen Anti-Angler-Rede verscherzt. Es gefällt ihr nicht dass er den Männern im Dorf ihre Freizeitbeschäftigung madig macht. Und zu seinem Entsetzen erfährt der Pastor, dass Fräulein Katrin nur einen Angler zum Mann will. „Weil nämlich Angler ein Auge für die kleinen Schönheiten und Wunder der Natur haben, ruhig, gütig und geduldig sind und in ihrer Seele friedvoll und rein.“ (Seite 23)

Die Lösung liegt auf der Hand: Der Pastor muss angeln lernen. Und wer wäre ein besserer Lehrmeister als Katrins Vater, Maurermeister Peter Petersen? Der durchschaut zwar schnell die fadenscheinigen Begründungen, die der Pastor vorschiebt, doch was soll’s? Schaden kann es auf keinen Fall, wenn der Gottesmann weiß, wie man Fische fängt. Und das nicht nur, weil Petrus und ein paar weitere Jünger Jesu Fischer von Beruf waren. Vielleicht entwickelt Klaaspedder dann auch mehr Verständnis für die Männer seiner Gemeinde, denkt sich Petersen und willigt ein, den Pastor zu unterrichten.

Damit nicht gleich die ganze Gemeinde mitkriegt, was die beiden Herren vorhaben, machen sie sich nachts um halb drei auf den Weg an den Mühlenteich. Dort traut sich von der Gemeinde niemand hin, weil sich seit Jahrzehnten eine Spukgeschichte um das Gewässer rankt: Ein Ungeheuer soll vor 30 Jahren den Müller in den Teich gezogen haben. Die Schleifspur hat man gefunden, der Müller war weg.

Was niemand gedacht hätte: Der geistliche Anglerfeind Klaaspedder erweist sich als gelehriger Schüler. Und die Angelei macht ihm sogar einen Riesenspaß! Manchmal zieht er nachts alleine los. Nur zugeben kann er das nicht. Erstens wäre ihm sein Sinneswandel peinlich und zweitens ist sein nächtliches Tun illegal. Doch wie das so ist auf dem Dorf: Nichts bleibt lange geheim. Bald heißt es beim Angelverein Düwelsdorf: „Unser Vereinskamerad Anton Schnibbel hat dem Vorstand gemeldet, dass am Mühlenteich ein Fischdieb sein Unwesen treibt!“ (Seite 82). Eindeutige Fußspuren hat Anton dort entdeckt. Noch kann Peter Petersen mit einer kleinen Notlüge weitere Nachforschungen verhindern, doch als der Pastor eines Tages verspätet und mit lehmverschmierten Gummistiefeln in der Kirche erscheint, um gleich nach der Trauungszeremonie wieder hektisch zu verschwinden, weckt dies den Argwohn des Vereinsvorsitzenden. Heimlich folgt er dem Pastor – und ertappt ihn auf frischer Tat!

Jetzt ist alles aus! An offiziellen Ermittlungen führt kein Weg mehr vorbei. Und ein überführter Schwarzangler ist weder als Pastor noch als Ehemann und Schwiegersohn tragbar. Ein Gutes hat die Beschäftigung des Pastors mit dem Mühlenteich und seiner Legende wenigstens: Er hat es geschafft, das Schicksal des vor 30 Jahren verschwundenen Müllers zu klären. Aber privat und beruflich ist Klaaspedder unwiderruflich erledigt. Nur ein Wunder könnte ihn noch retten!
Doch die Petersens, die das Gefühl haben, den Geistlichen in den Schlammassel hineingeritten zu haben, sind nicht bereit, so schnell die Flinte ins Korn bzw. die Angel in den Mühlenteich zu werfen. Peter Petersen hat auch schon eine Idee, wie man den Pastor vielleicht aus der Geschichte herauspauken könnte. Aber die Chancen sind minimal, und die Zeit läuft ...

Ein Artikel in einer alten Anglerzeitschrift war die Inspiration für diese heiter-philosophische Novelle mit einem Hauch von Kriminalroman. Man kichert und schmunzelt über die haarsträubenden Situationen, in die sich der junge Pfarrer durch seine neu entdeckte Angelleidenschaft bringt. Und man amüsiert sich über die gerissenen Dörfler und ihre überaus kreativen Problemlösungen.
Man kann auch nicht umhin, über den Disput zwischen dem Pastor und dem Angelfreund Petersen nachzudenken: Kann einem gläubigen Menschen Gott nicht auch in der freien Natur begegnen? Braucht es dazu unbedingt eine Kirche? Und macht es jemanden zu einem schlechteren Menschen oder schlechteren Christen, wenn er zwar nach den Grundsätzen des Glaubens lebt, aber den Gottesdiensten fernbleibt?

Spannend ist die Geschichte auch noch: Was ist damals wirklich mit dem Müller passiert? Hat ihn tatsächlich ein Monster in den Mühlenteich gezogen? Oder war’s ein gigantischer Wels, wie die Angler vermuten? Vielleicht steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter. Und schließlich steht noch die zentrale Frage im Raum: Wird es ein Happy End geben für den illegal angelnden Pastor?

Treffend illustriert wurde die unterhaltsame Novelle des in Bremen lebenden Autors von Cornelia Ott aus München. Eine Nord-Süd-Kooperation, die sich sehen lassen kann! Das Buch ist übrigens nicht nur für Freunde des Angelsports ideal, es interessiert und amüsiert auch Leserinnen und Leser, die allenfalls mal einen Tiefkühlfisch nach Hause bringen.


Rezension 2 -
Rezension des ekz-Informationsdienstes für Bibliotheken
- Martin Paulini / ID bzw. IN 2010/48; ekz-Informationsdienst; mit freundlicher Genehmigung des Rezensenten.

Sein "Petrus' starke Truppe" (BA 1/10) scheint erfolgreich zu sein, sodass Beese, bisher bekannt durch seine humorigen Bücher im Wassersportlermilleu, eine weitere Geschichte aus der Welt der Angler verfasst hat. Sie ist andeutungsweise angesiedelt im ländlich-idyllischen Schleswig-Holstein der 1950er-Jahre, als die Kirchen noch voll und die Pastoren noch Respektspersonen waren. Der Dorfgeistliche verliebt sich in die Tochter eines passionierten Anglers. Bisher ohne jede Kenntnisse auf diesem Gebiet, strebt er nun nach höheren Anglerweihen. Dabei durchlebt er Situationen, die stets mit einem Augenzwinkern erzählt werden. Im Hintergrund schwebt ein alter Mordfall und es bleibt bis zum Schluss offen, ob es der Pastor in den Hafen der Ehe schafft. Keine große Literatur also, sondern eine gut weglesbare Unterhaltungslektüre für Freunde des Angelns. Da es für sie außer Peter Kunzmann (BA 5/04) und Andreas Möller (BA 7/09) nicht viel Belletristisches darüber gibt, gerne empfohlen.


Rezension 3 -
Rezension von Antje Spitzner (Das BLV) vom 15.12.2010


"Petri Heil, Herr Pastor" - Buch von Claus Beese nicht nur für Angler Blumenthal - Irgendwie angelt in Düwelsdorf jeder: Der Pfarrer nach Knochen, der alte Petersen nach der Wahrheit, der Bürgermeister nach der falschen Frau, die Herren des Anglervereins sowieso, ihre Damen nach Skandälchen und Katrin nach einem Schatz. Nur der Dorfpolizist geht leer aus, und das ist in diesem Fall auch gut so. Jede Menge Fische spielen in „Petri Heil, Herr Pastor", dem aktuellen Buch von Claus Beese ebenfalls eine Rolle, obwohl es ganz schön menschelt...
Eine liebevolle Geschichte mit viel Augenzwinkern in malerischer Umgebung und mehr oder minder verschlüsselten Hinweisen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Sie ist ein ideales Geschenk sowohl für Angler, als auch für ihre Partnerinnen - damit diese merken, dass Angeln gar nicht so langweilig ist, wie es dem Hobby nachgesagt wird - und alle, die sich gut unterhalten lassen wollen. Die neunte Geschichte des nordbremer Autors ist für 8,50 Euro erhältlich. Das 130-seitige Lesevergnügen von Claus Beese ist im Mohland Verlag erschienen. AS